Chili (Cayenne)

Dr. med. Heinz Lüscher

 

Schadet das scharfe Essen?

Früher glaubte man, dass man nichts Scharfes essen dürfe, weil es dem Magen schade. Obwohl von der Wirkung her das Gegenteil der Fall ist, werden aufgrund dieser irrigen Meinung scharfe Gewürze in der Schweiz immer noch eher selten eingesetzt. Es gibt über 400 Sorten Chili, die ursprünglich aus Südamerika stammen und sich in ihrem Schärfegrad massiv unterscheiden.

 

Warum brennt Chili im Mund?

Das Capsaicin reizt die Nervenendigungen von Wärmenerven im Mund, vor allem jene auf der Zunge. Man kann sich an die Schärfe gewöhnen, weil die Geschmacks- oder Schmerznerven davon nicht betroffen sind. Diese Nervenendigungen schütten nun einen Botenstoff aus, einen sogenannten Neurotransmitter, der zu einer Erweiterung der feinen Blutgefässe und damit der gesamten Durchblutung führt. Das Brennen im Mund wird vom Gehirn aber als Schmerz wahrgenommen, was wiederum zu einer Ausschüttung von Endorphinen (eine Art Glückshormon) führt. Deshalb wirken Scharfesser bald aufgestellt und fröhlich, sie befinden sich im sogenannten „pepper high“.

Achtung: Chilipulver in der Luft führt zu Augenbrennen und Reizungen der Nasen- und Bronchial-Schleimhaut. Wer mit den Händen mit Chili in Berührung kam, darf sich danach nicht die Augen reiben.

 

Die Schärfe der Chilis

Die Schärfe der verschiedenen Chilis wird in Scoville-Einheiten angegeben. Eine Scoville Einheit von z. B. 1500 bedeutet, dass es 1500 Milliliter Wasser braucht, um die Schärfe von einem Milliliter Chili vollständig zu entfernen.

 

Schärfeskala Scoville:

Scoville-Grad Beispiel
0 keine Schärfe, kein Capsaicin enthalten
0–10 Gemüsepaprika
~16 durchschnittliche untere Wahrnehmungsschwelle für Schärfe
100–500 Peperoni
1.000–10.000 Sambal
2.500–5.000 Tabascosauce
2.500–8.000 Jalapeño-Chili
30.000–50.000 reiner Cayennepfeffer (C. annuum*)
50.000–100.000 Piri-piri (C. frutescens Art), Tepin-Chili
100.000–350.000 Habaneros
2.000.000 (handelsübliches) Pfefferspray
15.000.000–16.000.000

reines Capsaicin (Kristalle)

 Quelle: Wikipedia

 

Der Wirkstoff Capsaicin

Das Capsaicin kommt nur im Mark einer Chili-Schote vor, nicht in den Samen. Capsaicin ist sehr beständig und wird darum weder beim Kochen noch beim Einfrieren zerstört.

Capsaicin ist nicht wasserlöslich. Wenn es im Mund zu stark brennt, nützt Wasser trinken gar nichts. Capsaicin ist fett- und alkohollöslich. Um dem übermässigen Brennen im Mund ein Ende zu bereiten, muss man folglich ein Joghurt, Quark oder ein Stück Käse essen. Es geht auch mit einem Esslöffel Öl oder Kirsch.

 

Die medizinischen Wirkungen von Capsaicin:

Neben dem Magenschutz erhöht Chili die Fettverbrennung und kann darum zur Gewichtsreduktion eingesetzt werden. Am besten schluckt man nach jeder Mahlzeit 2 - 3 kleine getrocknete Chili-Schoten (Grösse 5-10 mm) aus dem Bioladen oder wer es einfach möchte eine Kapsel (z.b. Caye Vida). Chili führt zu vermehrtem Schwitzen, was wiederum mehr Kalorien verbraucht. Das Blut wird flüssiger und die Blutgefässe erweitern sich, dadurch wird der ganze Kreislauf verbessert und es wird Embolien vorgebeugt. Aber damit nicht genug: Chili stärkt das Immunsystem und ist auch noch ein ausgezeichneter Krebsschutzfaktor. Wer nebst Pfeffer und Chili auch noch viel Ingwer, Kurkuma und Zimt einsetzt, wird vor Gesundheit strotzen bis ins hohe Alter.

 

Hinweis zum Kochen:

Pfeffer und Chili sind zwei ganz verschiedene Dinge. Pfeffer (mit dem Vitalstoff Piperin) reizt die Magenschleimhaut,  verbessert aber auf der anderen Seite die Nährstoffverwertung im Darm ganz entscheidend. Pfeffer verhindert auch die Gasbildung im Darm. Kochen Sie also grundsätzlich mit viel Pfeffer. Um den Magen zu schützen, so paradox es klingt, setzt man Chili ein. Es gibt keine bessere Gewürzkombination als Pfeffer und Chili. Der Schutz der Magenschleimhaut durch Chili ist so frappant, dass damit Magenbrennen und sogar ein Magengeschwür behandelt werden kann.

 

Noch ein Rat für Herzinfarktpatienten:

Wer als Notfallmittel eine Nitroglycerin-Kapsel mit sich tragen muss, um bei einem Angina-pectoris-Anfall sich selber helfen zu können, darf gerne auch eine Chili-Kapsel bei sich tragen. Im Notfall die Chilikapsel in ein Glas Wasser leeren und sofort trinken. Der Angina-pectoris-Anfall bildet sich mindestens so schnell zurück, wenn nicht schneller, als mit einer Nitroglycerin-Kapsel. (Wird jedoch eine Chili- Kapsel ganz geschluckt, dann dauert es etwas länger, weil die Kapsel zuerst im Magen aufgelöst werden muss.)

 

Cayenne kann bei folgenden Krankheiten eine vorbeugende oder heilende Wirkung haben:

  • Rheumatische Schmerzen
  • Schmerzen nach Sportunfällen
  • Schmerzen nach Gürtelrose
  • Psoriasis (Schuppenflechte)
  • Schmerzen am Bewegungsapparat
  • Rheuma
  • Arthrosen
  • Magenbrennen
  • Magengeschwür
  • Dyspepsie (Verdauungsprobleme)
  • Durchblutungsstörungen
  • Angina pectoris
  • Krebs
  • Übergewicht
  • Diabetes
  • Pilzerkrankungen
  • Häufige Infekte
  • Steigert die Libido (natürliches Viagra)
  • Embolien

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