Vitalstoffmedizin Blog

Neues aus der Welt der Vitalstoffe und Beobachtungen aus meiner Praxis

The winner is… Artemisia!

Die Artemisia-Pflanze (Artemisia annua) ist unscheinbar, fast ein Unkraut. Doch sie hat es in sich! Als Ende der 60er Jahre die damals gängigen Malaria-Medikamente nicht mehr wirkten, weil der Malaria-Erreger zunehmen resistent wurde, wandte sich die chinesische Forscherin Youyou Tu der traditionellen chinesischen Medizin zu und suchte dort nach Alternativen. So stiess sie auf Artemisia annua und extrahierte daraus den Wirkstoff Artemisin. Er wird seither in Malaria-Medikamenten verwendet und hat vielen Menschen das Leben gerettet. Für diese Entdeckung erhielt Tu 2015 den Nobelpreis für Medizin.

Wirkt gegen Grippe

Doch wie so oft bei einzelnen Substanzen besteht bei Artemisin ebenfalls die Gefahr, dass der Malaria-Erreger auch gegen diesen Wirkstoff resistent wird. Setzt man hingegen die gesamte Pflanze ein, ist dies viel unwahrscheinlicher, weil Artemisia annua noch mindestens 9 weitere, gegen Malaria wirksame Substanzen enthält. Gegen diese geballte Ladung können sich die winzig kleinen Plasmodien, welche Malaria verursachen, viel schlechter wehren. Artemisia kann aber noch viel mehr. Wiederholt haben sich seine antiviralen und antibakteriellen Eigenschaften gezeigt. So kann mit Artemisiapulver oder -tee zum Beispiel wirksam eine Grippe bekämpft werden. Wer bei den ersten Anzeichen täglich 4 x 1.2 g Artemisiapulver zu sich nimmt, hat gute Chancen, die Erkrankung nach 1-2 Tagen überstanden zu haben.

Hautkrebs: OP wiederholt abgesagt

Sehr eindrücklich sind die Rückmeldungen von Patienten, die bei weissem Hautkrebs oder auffälligen Muttermalen Artemisia verwenden. Einem Mann musste auf der Glatze schon dreimal ein Hautkrebs herausgeschnitten werden. Als sich erneut eine verdächtige Veränderung ergab, erhielt er einen OP-Termin in ca. 7 Wochen. In der Zwischenzeit rieb er seine Kopfhaut 2 bis 3x täglich mit einer Artemisia Creme ein. Resultat: Sein Hautarzt fand die Stelle nicht mehr, die er herausschneiden wollte! Eine andere Patientin hatte ein ca. 5 mm grosses, weisses Hautgewucher an der Wange und bekam nach erfolglosen Vereisungsversuchen ebenfalls einen OP-Termin. Auch sie behandelte sich in der Zwischenzeit mit einer Artemisia Creme. Völlig erstaunt berichtet sie, dass sie den Tumor nach ca. 2 Wochen wie eine Kruste abnehmen konnte. Die Hautärztin hat sicherheitshalber nochmals vereist, aber konnte auch in diesem Fall von einer OP absehen. Eine dritte Patientin musste feststellen, wie ihr oberhalb des rechten Schlüsselbeins relativ rasch ein neues, juckendes und immer wieder blutendes Muttermal wuchs. Sie war sich bewusst, dass sie dieses zeitnah ihrem Hausarzt zeigen muss. Dann nahm sie wegen einer heftigen Grippe 9 Tage lang Artemisiapulver ein. Zu ihrer grossen Überraschung und Erleichterung verschwand mit der Grippe auch das Muttermal und zwar dauerhaft!

Artemisia als letzte Hoffnung bei Hirnentzündung

Schon eher aussergewöhnlich mutet der Fall einer Frau an, die wegen akut entzündeter Divertikel Antibiotika verschrieben bekam. Trotz den Bedenken ihres Arztes entschied sie sich erst für einen Versuch mit Artemisia. Nach 3 Tagen waren ihre Entzündungswerte bereits massiv reduziert und der Arzt bestärkte sie, mit Artemisia weiter zu machen. Auch weiss ich von einem Fall einer Hirnentzündung, bei der andere Medikamente versagten, die nach 10 Tagen unter Artemisia komplett verschwand. Schliesslich ergeben sich auch tolle Resultate bei Neurodermitis. Die Artemisia Creme hat sich wiederholt als wirksame Alternative zu den cortison-haltigen Cremes entpuppt.

Nicht mit dem Essen einnehmen

Für alle, die Artemisia ausprobieren wollen, ist wichtig zu wissen: Artemisia muss ausserhalb der Mahlzeiten eingenommen werden, am besten 1 Stunde vor dem Essen. Es eignet sich nicht zur präventiven Einnahme und wird im Normalfall nicht länger als 2 Wochen eingenommen. Für eine Malaria-Prophylaxe muss man 1 Tag vor Reisebeginn bis 20 Tage nach der Reise täglich 3 x 1.2 g Artemisia-Pulver einnehmen. Nebenwirkungen sind keine bekannt. Die einzigen Kontraindikationen sind Magengeschwüre und Magenübersäuerung.

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Magensäureblocker erhöhen Herzinfarkt- und Demenz-Risiko

Auch heute noch werden sie oft verschrieben: die sogenannten Magensäureblocker, auch PPIs (Protonenpumpen-Inhibitoren) genannt.

Menschen mit Sodbrennen oder solche mit Reflux sind die klassischen Patienten dafür – häufig aber auch Patienten mit Reizmagen und -darm. Die Medikamente sollen die Magensäureproduktion drosseln und so den Patientinnen und Patienten Erleichterung verschaffen. Leider tritt ihre Wirkung aber oft nicht wie erwünscht ein und tragischerweise wird deshalb häufig die Dosis oft unhinterfragt erhöht und die Einnahmedauer verlängert.

16% erhöhtes Risiko für Herzinfarkt

In diesem Blogbeitrag werden bereits einige negative Auswirkungen der dauerhaften Einnahme von Magensäureblockern/PPIs beschrieben. Der Neurologe David Perlmutter macht auf zwei weitere gravierende Folgen der langanhaltenden Einnahme von Magensäureblockern aufmerksam: Für eine Studie der Stanford University1)aus dem Jahr 2015 wurden die medizinischen Daten von 3 Millionen Menschen ausgewertet. Fazit: Das Herzinfarktrisiko bei Patienten mit anhaltendem PPI-Konsum stieg um 16%!

44% erhöhtes Risiko für Demenz

Eine zweite Studie aus dem Jahr 20162)beobachtete während ca. fünfeinhalb Jahren 70'000 Senioren (75-jährig oder älter; zu Beginn der Studie ohne dementielle Erkrankung). Ergebnis: Bei Menschen, die regelmässig Magensäureblocker schluckten, stieg das Risiko, an Demenz zu erkranken, um 44%!

Cayenne-Pfeffer als Alternative

Diese Fakten sprechen eine deutliche Sprache. Aber: Gibt es eine Alternative zu den PPIs? Ja, es gibt sie. Die Natur hält sie für uns bereit: Cayenne-Pfeffer, genauer gesagt das darin enthaltene Capsaicin. Dieses kurbelt die Schleimproduktion für die schützende Schleimschicht über der Magenschleimhaut an, anstatt die Magensäureproduktion (mit all den daraus resultierenden negativen Folgen) zu drosseln. Wichtig ist jedoch ein langsames Ausschleichen der Magensäureblocker! (Siehe auch Link oben.)

1)https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4462578/

Proton Pump Inhibitor Usage and the Risk of Myocardial Infarction in the General Population

2) https://jamanetwork.com/journals/jamaneurology/fullarticle/2487379

Association of Proton Pump Inhibitors With Risk of Dementia

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Restless Legs Syndrom

Kribbelnde Beine? Was tun bei Restless Legs Syndrom

Das Restless Legs Syndrom, abgekürzt RLS, ist eine häufige neurologische Erkrankung. Betroffene leiden unter unruhigen Beinen, seltener auch Armen, meist am Abend und in Ruhe. Man schätzt, dass bis zu 10% der Bevölkerung davon betroffen sind.

Starker Bewegungsdrang

Patienten mit RLS beschreiben ein kribbelndes, brennendes, stechendes, klopfendes oder brodelndes Gefühl in den Beinen, das zumeist in den Abendstunden auftritt. Dieses ist immer begleitet von einem Bewegungsdrang, der durch Ruhe noch verstärkt wird, z.B. wenn man abends im Bett liegt. Die Beschwerden verschlimmern sich am Abend und in der Nacht. Sehr oft leiden Betroffene deshalb an Einschlaf- und Durchschlafstörungen.

Oft liegt es in der Familie

Die genaue Ursache ist unklar. Vermutet wird eine Störung von mehreren Neurotransmittern (Überträger- und Botenstoffe im Nervensystem). Dabei spielt auch die familiäre Veranlagung eine Rolle. Eine weitere Ursache könnte ein latenter Eisenmangel im Gehirn sein, weshalb empfohlen wird, den Eisenstoffwechsel untersuchen zu lassen. Auch andere Erkrankungen wie z.B. Diabetes mellitus oder Schilddrüsenfunktionsstörungen müssen ausgeschlossen werden können, da sie zu ähnlichen Symptomen führen können. Typischerweise sind mehr Frauen als Männer betroffen. Das Restless Legs Syndrom tritt meist in einem Alter ab 35 Jahren auf. Es können aber auch schon Kinder oder Jugendliche erkranken. Beachtet werden muss, dass es Medikamente gibt, die ein RLS verschlechtern können, wie bestimmte Antidepressiva.

Von Magnesium bis CBD-Tropfen

Das Restless-Legs-Syndrom lässt sich meist gut behandeln. Vielen Patienten hilft die Einnahme von Magnesium, zum Beispiel in Form von Kapseln. Ebenfalls helfen können essenzielle Aminosäuren (ca. 8-10 Presslinge am Abend). Ist ein Eisenmangel die Ursache, muss dieser angegangen werden, etwa mit Aronia und Moringa oder mit Eisenpräparaten. Vermutet man Medikamente als Auslöser, müssen diese reduziert oder abgesetzt werden – immer in Rücksprache mit dem behandelnden Arzt. Die schulmedizinische, medikamentöse Therapie des RLS ist rein symptomatisch, kann also die Erkrankung nicht heilen, sondern nur deren Symptome lindern. Zum Einsatz kommen Medikamente, die in den Dopamin-Stoffwechsel eingreifen. Stehen Schlafstörungen im Vordergrund, werden schlaffördernde und muskelentspannende Medikamente verschrieben. In diesem Zusammenhang sind CBD-Tropfen sehr wohl ein Versuch wert.

RLS ganzheitlich angehen

Aus Sicht einer integrativen Medizin lassen sich die folgenden Empfehlungen ausprobieren:

  • Tägliches Stretching hat sich als hilfreich erwiesen. Experimentieren Sie mit Velofahren, Treppensteigen, Massagen etc. Oft muss die Beinschwäche überwunden werden, bevor man körperlich aktiv werden kann.
  • Ernährung: Achten Sie auf eine Eisen-, Folsäure- und Vitamin-B12-haltige Kost. Verzichten Sie abends auf schwere Mahlzeiten.
  • Versuchen Sie einen regelmässigen Tag-Nacht-Rhythmus einzuhalten und achten Sie auf eine gute Schlafhygiene.
  • Geistige Aktivitäten wie Spiele, Kreuzworträtsel, Bewegungen mit den Händen (z.B. Handarbeiten) können helfen, sich abzulenken und die zuckenden Bewegungen zu reduzieren
  • Manchen hilft es, vor dem Schlafengehen ein warmes (Fuss-)Bad zu nehmen und auch im Bett die Füsse warm einzupacken, andere duschen die Beine kalt ab oder reiben die Waden mit einer kühlenden Salbe ein.
  • Testen Sie, ob das Weglassen von Nikotin, Alkohol, Koffein und leider auch Schokolade hilft.
  • Achten Sie auf eine genügende Versorgung mit Magnesium und probieren Sie aus, ob Ihnen essenzielle Aminosäuren oder CBD-Tropfen helfen.

Wir wünschen allen ruhige Beine und einen erholsamen Schlaf!

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Interview mit Dr. Lüscher in der Zeitschrift astrea Apotheke

Vitaler Kickstart in den Frühsommer

Der Mai ist da! Doch während die Bäume schon kräftig ausschlagen, hängen Sie noch ein wenig in den Seilen? Keine Bange, denn da lässt sich etwas nachhelfen.

Von blauen Beeren bis zu gelben Peperoni: Früchte und Gemüse in unterschiedlichen Farben machen nicht nur Lust auf den Frühsommer. In ihnen stecken gesunde Ballast- und Vitalstoffe. Warum es damit alleine nicht getan ist, weiss der Mediziner und Spezialist für orthomolekulare Medizin, Dr. med. Heinz Lüscher.

«An apple a day keeps the doctor away.» Würde ein Apfel täglich den Doktor fernhalten, dann hätten Ärzte wie Sie doch gar nichts zu tun.

Dr. med. Heinz Lüscher: Wenn das tatsächlich so wäre, ja (lacht). Natürlich enthält der Apfel eine Vielzahl von Vitalstoffen, die für den Körper wichtig sind. Die Wirkung einiger dieser Stoffe ist noch nicht oder nur unzureichend erforscht. Man tut sich damit etwas Gutes, aber mit dem Apfelessen alleine ist es nicht getan. Und das gilt auch für andere Nahrungsmittel.

Reicht eine gesunde, ausgewogene Ernährung nicht aus? Die ist natürlich die Basis. Allerdings hat sich in den letzten hundert Jahren viel getan: Früher war unsere Nahrung noch vollwertig, die Böden wurden nicht so intensiv genutzt wie heute. Heute sind die Äcker ausgelaugt, geerntetes Gemüse und Früchte enthalten nicht mehr ausreichend Vitalstoffe. Besonders der Gehalt von Antioxidantien, also von sekundären Pflanzenstoffen und Spurenelementen wie Selen, ist in den vergangenen Jahren nachweislich zurückgegangen. Hinzu kommen Pestizide, die in der konventionellen Landwirtschaft eingesetzt werden. Man kann also, auch wenn man viel Gemüse und viele Früchte zu sich nimmt, einen Nährstoffmangel haben.

Wann ist es sinnvoll, wann sogar notwendig, Nahrungsergänzungspräparate einzunehmen? Da gibt es zahlreiche Beispiele. Nehmen wir das Vitamin B12. Es ist unter anderem wichtig für die Produktion roter Blutkörperchen. Zudem kann ein Mangel an Vitamin B12 zu schweren, teils irreparablen Schädigungen des zentralen Nervensystems führen. Weil es ausschliesslich in tierischen Nahrungsmitteln vorkommt, müssen es Veganer, manchmal auch Vegetarier, ergänzen. Grundsätzlich empfehle ich Patienten, die keine oder wenig tierische Nahrungsmittel zu sich nehmen, regelmässig die Vitamin-B12- und die Eisenwerte im Blut kontrollieren zu lassen.

Wie machen sich fehlende Nährstoffe bemerkbar? Jeder Mikronährstoff ist wichtig für den Stoffwechsel. Man kann davon ausgehen, dass es Tausende von Mikronährstoffen gibt. Mangelt es dem Organismus an einigen dieser Komponenten, sind gleich mehrere Stoffwechselprozesse im Körper gestört. Ein Zustand, der sich zunächst als Energiemangel und Abgeschlagenheit bemerkbar macht. Man spricht dann auch vom chronischen Fatigue-Syndrom. Im zweiten Schritt entstehen Krankheiten. Leider sehen die Standardlaboruntersuchungen nur die Kontrolle weniger Mikronährstoffe im Blut vor. Andere Mängel bleiben meist unerkannt. Ohne Diagnose wird der Patient nicht selten über kurz oder lang als psychisch gestört abgestempelt.

Und solche Patienten kommen dann zu Ihnen? Ja, auch. In der Regel sind es aber Menschen, bei denen die Diagnose feststeht: Meist sind sie chronisch krank und haben Probleme mit dem Darm, neurologische Krankheiten wie multiple Sklerose, Parkinson oder Krebs.

Wie gehen Sie vor, wenn ein Patient zu Ihnen kommt? Als Erstes erfolgt eine 20- bis 30-minütige Anamnese, also eine umfassende Patientenbefragung. Hinzu kommen die Ergebnisse aus dem Labor (Blutbild). Daraus erfolgt der Therapievorschlag – je nach Diagnose werden auch schulmedizinische Medikamente miteinbezogen.

Woran mangelt es denn besonders oft? An Vitamin D3. Es wird über die UVBestrahlung der Haut gebildet. Für eine ausreichende Vitamin-D3-Versorgung reicht die Sonne in unseren Breiten allerdings nicht aus. Es ist also wichtig, dass wir D3 in ausreichender Menge zuführen. Häufig bleibt auch ein Magnesiummangel über längere Zeit unentdeckt, denn Magnesium wird in Standardlaboruntersuchungen so gut wie nie gemessen.

Können Sie sich an Patienten erinnern, die besonders von einer Therapie mit bestimmten Mikronährstoffen profitiert haben? Das geschieht sogar sehr oft, gerade bei Patienten mit Reizdarm. Viele haben bereits einen langen Leidensweg hinter sich und verspüren schon nach wenigen Wochen Therapie eine Verbesserung. Bei konsequenter Einnahme bestimmter Mikronährstoffe kann das Reizdarmsyndrom innerhalb von sechs bis zwölf Monaten komplett ausheilen. Liegt ausserdem eine Gluten- oder Laktoseintoleranz vor, muss selbstverständlich begleitend eine entsprechende Diät eingehalten werden.

Wo stösst die Vitalstofftherapie an ihre Grenzen? Das geschieht genau wie bei anderen Therapien auch. Die orthomolekulare Medizin ist oft zielführend, doch Wunder vollbringt sie nicht. Besonders, wenn das Leiden sehr vielschichtig ist, wie zum Beispiel ein Burn-out: Hier greifen psychische und körperliche Faktoren ineinander.

Können Nahrungsergänzungsmittel bei einer Überdosierung gefährlich werden? Hier eine generelle Aussage zu machen, ist schwierig. Aufpassen sollte man bei fettlöslichen Vitaminen wie Aund E. Sie können unter Umständen, speziell bei einer Überdosierung oder/ und wenn sie über längere Zeit eingenommen werden, schädlich sein. Auf der anderen Seite muss man sich die Studien, die teilweise einen riesigen Hype in den Medien auslösen und für Verängstigung bei den Konsumenten sorgen, genau anschauen. Viele dieser Untersuchungen genügen wissenschaftlichen Standards nicht. Mikronährstoffe deshalb pauschal als gefährlich anzusehen, ist undifferenziert und irreführend.

Wenn es der Frühling noch nicht geschafft haben sollte: Welche Mikronährstoffe bringen uns jetzt in Hochform? Zum Beispiel Coenzym Q10, ein wichtiges, körpereigenes Coenzym, das einen entscheidenden Einfluss auf den Energiehaushalt unserer Zellen hat. Es wirkt stark antioxidativ, schützt also vor freien Radikalen. Kombiniert mit dem biologischen Wasserstoff NADH (Nicotinamid Adenin Dinucleotid Hydrid, auch Coenzym 1), kann man dem Energiehaushalt ein wenig auf die Sprünge helfen. Wer gesund ist, bei dem genügen zweimal 10 mg NADH und 30 mg Coenzym Q10 täglich.

Empfehlen Sie auch manchmal Basenpräparate? Wenn der Urin übersäuert ist und der pH-Wert unter 6 liegt, rate ich zu einer Basenkur.

Verraten Sie uns abschliessend, was Sie selbst tun, um fit und gesund zu bleiben? Ich versuche, mir ausreichend Erholungszeit und Bewegung zu gönnen und achte auf meine psychische Gesundheit. Und ich helfe ein bisschen mit Mikronährstoffen nach.

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Krankmachende Antidepressiva

Serotonin ist ein wichtiger Botenstoff und Neurotransmitter. Seit 1965 vermuten Forscher einen Zusammenhang zwischen Depressionen und einem niedrigen Serotonin-Spiegel im Gehirn. Ab den 80er Jahren erhielt diese These mächtig Zulauf. Damals wurde eine neue Art von Antidepressiva entwickelt, die Selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI). Sie bewirken, dass das im Gehirn ausgeschüttete Serotonin länger im synaptischen Spalt bleibt, die Empfängerzellen auf diese Weise länger stimuliert und nicht zu rasch wieder in die Zellen aufgenommen wird.

Unbewiesene These

Bis heute verbreitet die Pharmaindustrie zur Vermarktung ihrer Antidepressiva vom Typ der SSRI diese Botschaft: Depressionen beruhen auf einem gestörten Gleichgewicht im Gehirn und Antidepressiva beheben dieses. Nur hat die These einen entscheidenden Makel: Sie konnte bis heute in keiner einzigen Untersuchung nachgewiesen werden. Manche Depressive haben einen höheren Serotonin-Spiegel als Gesunde. Was ein normaler Wert ist, weiss niemand. Viele Forscher vermuten inzwischen, dass Serotonin höchstens indirekt mit Depressionen zu tun hat.

Damit ist nicht gesagt, dass ein gesunder Serotonin-Haushalt nicht wichtig wäre. Genau diesen bringen die Medikamente jedoch durcheinander. Man weiss seit Jahrzehnten, dass die Dichte der Serotonin-Andockstellen bereits nach einem Monat um 25% zurückgeht, wenn man ein SSRI einnimmt. Andere Forscher berichten, dass diese Rezeptoren bei chronischer Verabreichung um 50% abnehmen. Welche Folgen dies hat, ist bis heute ungeklärt. Klar ist nur: Anstatt ein hypothetisches Ungleichgewicht im Gehirn auszugleichen, verursachen die SSRI dieses erst. Vor der Behandlung ist unklar, ob das Serotoninsystem gestört ist. Während der Behandlung ist es mit Sicherheit verändert.

Kaum besser als Placebo

Hinzu kommt, dass die Wirkung der SSRI alles andere als unumstritten ist. Eine wichtige Übersichtsstudie konnte in 57% der Studien keinen Unterschied feststellen zwischen dem geprüften Medikament und einem Placebo (Scheinmedikament). Und 82% der Verbesserung, die man mit Antidepressiva erzielte, wurden auch mit dem Placebo erreicht. Nur in der kleinen Gruppe der schwerstdepressiven Patienten scheinen Antidepressiva überhaupt signifikant wirksamer zu sein als Placebo.

Trotzdem werden SSRI noch immer häufig verschrieben, auch bei leichten oder sogar sogenannt unterschwelligen Depressionen. Angesichts der Nebenwirkungen eine gefährliche Praxis. Noch zu den harmloseren gehören Störungen der Sexualfunktion, Schlaflosigkeit, Übelkeit oder Durchfall. Schon erschreckender ist das erhöhte Suizidrisiko: Vor allem bei Kindern und Jugendlichen kam es zu einem so hohen Anstieg der Suizidversuche während der Tabletteneinnahme, dass die Beipackzettel inzwischen davor warnen müssen. Immer wieder gibt es Berichte von wahnhaften Handlungen, die unter dem Einfluss der Tabletten vorgenommen werden. Und in den USA gibt es starke Hinweise darauf, dass die überragende Mehrheit der Massaker an Schulen unter dem Einfluss von Psychopharmaka verübt wurden. Nicht nur der bekannte Filmemacher Michael Moore ist der Ansicht, dass man diesen Zusammenhang schleunigst untersuchen müsste.

Antidepressiva führen zu Depressionen

Unterdessen wird vermutet, dass die Medikamente, welche Depressionen lindern sollten, überhaupt erst zur Epidemie psychiatrischer Erkrankungen beigetragen haben. Dies behauptet unter anderen der US-Wissenschaftsjournalist Robert Whitaker. Seine These in Kurzform: Viele Patienten werden wegen ursprünglich geringfügiger Beschwerden ohne Notwendigkeit mit SSRIs behandelt. Das mag kurzfristig zu einer Besserung der Symptome führen. Mit zunehmender Dauer der Behandlung steigt aber die Wahrscheinlichkeit, dass die biochemischen Prozesse des Gehirns nachhaltig aus dem Takt geraten. Es tritt ein Gewöhnungseffekt auf und die Wirkung der Medikamente nimmt ab. Oder es kommen in Form von Nebenwirkungen neue Symptome dazu. Die Pharmaspirale beginnt sich zu drehen. Im Jargon heisst es jeweils: „Der Patient muss neu eingestellt werden.“  Der italienische Psychiater Giovanni Fava meint dazu: „Antidepressiva mögen bei Depressionen kurzfristig nutzbringend sein, sie könnten den Verlauf der Krankheit aber langfristig verschlechtern.“ Auch in einem Kommentar in der Fachzeitschrift «Journal of Clinical Psychiatry» wird ausgesprochen, was selten offen diskutiert wird: «Der Langzeitgebrauch von Antidepressiva kann depressionsfördernd sein.»

Mit echter Anteilnahme begleiten

Was aber heisst das für die Betroffenen? Depressionen sind nicht harmlos und den Betroffenen muss geholfen werden. Studien haben gezeigt, dass Medikamente, Psychotherapie, soziale Unterstützung, Sport, Akupunktur oder Pseudobehandlungen alle etwa gleich gut nützen. Deshalb gibt es Forscher, die wie folgt argumentieren: Wenn so unterschiedliche Behandlungen ähnlich gut wirken, kommt es möglicherweise gar nicht darauf auf, was gegen Depressionen unternommen wird. Wichtig ist bloss, dass etwas unternommen wird. Sie greifen damit eine These auf, die der Psychiater Jerome Frank vor einem halben Jahrhundert entwickelt hat: Entscheidend sei, dass der Patient gründlich untersucht werde, eine Erklärung für sein Leiden erhalte, Hoffnung schöpfe und schliesslich ein therapeutisches Ritual mit einem anerkannten Experten praktiziere. Ob der Spezialist ein Medikament verschreibe oder Gespräche führe, sei hingegen unwichtig. Für uns Laien hiesse dies: Betroffene intensiv und mit echter Anteilnahme begleiten, zur Stimmungsaufhellung Aronia oder Pollen abgeben und auf eine nachhaltige Veränderung krankmachender Lebensumstände hinarbeiten. Hingegen sollte gerade bei leichten Depressionen auf Antidepressiva vom Typ SSRI verzichtet werden.

P.S: Psychopharmaka dürfen nicht in Eigenregie abgesetzt oder in der Dosis reduziert werden. Ein plötzliches Absetzen kann zu erheblichen psychischen und körperlichen Reaktionen führen. Wer eine bestehende Medikation anpassen will, muss das in Zusammenarbeit mit seinem Arzt tun.

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